UM:LAUT - amiina plays "Fantômas"

Filmkonzert

Mo 23.04.2018 20:00

Karten 20 €
Angegebene Preise im Ticketbüro des Radialsystems, online zzgl. Gebühren.

amiina | © Promo


Juve contre Fantômas, 2. Episode der Serie "Fantômas", Louis Feuillade, F 1913, 64min

Violine, Metallophon und Zither    María Huld Markan Sigfúsdóttir
Violoncello und Metallophon    Sólrún Sumarlidadóttir
Schlagzeug und Percussion    Magnús Trygvason Eliassen
Electronics und Ukulele    Gudmundur Vignir Karlsson

Mit amiina widmet sich eine der originellsten und experimentierfreudigsten Bands aus Island einem legendären Filmklassiker: Seit Erscheinen des ersten Romans vor über einem Jahrhundert kitzelt der sinistre Schurke Fantômas mit den tausend Gesichtern und Verkleidungen die Vorstellungskraft eines beständig großen Publikums und geisterte durch zahlreiche Filme, Comics, Hörspiele und Theaterstücke. Die erste Verfilmung von Louis Feuillade mit René Navarre in der Titelrolle gehörte zu den größten Kinoerfolgen ihrer Zeit - sie hat bis heute nichts von ihrer düsteren Faszination eingebüßt und passt bestens zur zeitlosen Schönheit der Musik von amiina: Zwischen verspielten Pop-Experimenten und fragil-versponnenem Kammer-Folk erschaffen die Isländer, unter anderem bekannt durch ihre langjährige Zusammenarbeit mit Sigur Rós, ihre eigenständige Klangwelt. amiinas Soundtrack zum zweiten Teil von Feuillades legendärer Fantômas-Serie feierte 2013 in Paris im renommierten Théâtre du Châtelet Premiere - im Rahmen eines von Yann Tiersen kuratierten Konzertabends zum 100. Jubiläum der Verfilmung. Mittlerweile ist die Filmmusik auch als Album erschienen (Morr Music / Mengi). Im April ist amiina für eines ihrer seltenen Filmkonzerte in der UM:LAUT-Reihe zu Gast: Mit ihrer vielschichtigen Sound-Palette und ihrem außergewöhnlichen Instrumentarium flechten die Isländer ein berückendes Film-Musik-Spektakel - mal melancholisch und von entrückter Schönheit, dann wieder fesselnd vor Spannung, voll treibender Rhythmen.


amiina ist eine isländische Band, deren Ursprünge in den späten 1990er-Jahren liegen, als vier Studentinnen an der Musikhochschule in Reykjavík sich zu einem Streichquartett formierten. Während die Gruppe anfänglich klassische Musik spielte, widmete sie sich zunehmend diversen musikalischen Stilrichtungen und arbeitete mit verschiedenen Bands in Reykjavík zusammen. Im Jahr 1999 schlossen sie sich der bekannten isländischen Band Sigur Rós an. Diese Zusammenarbeit dauerte über ein Jahrzehnt an und amiina trugen als Streichensemble sowohl live auf diversen Touren wie auch durch ihre Mitarbeit an mehreren Alben wesentlich zum ikonischen Sound und internationalen Erfolg von Sigur Rós bei. 2004 veröffentlichte die Band ihre erste eigene EP namens "AnimaminA". Das folgende Debütalbum "Kurr" (2007) entstand aus einer ungewöhnlichen Ansammlung von Instrumenten - von singenden Sägen über Kalimbas, Spieluhren und scheinbar allem, was gezupft, gestrichen oder getrommelt werden konnte - und begeisterte mit einer Musik, die sich auf "eigentümlich und kraftvolle Weise zwischen Unschuld und Raffinesse bewegt" (The Guardian). Später wurde die Band vom Schlagzeuger Magnús Trygvason Eliassen und dem elektronischen Musiker Kippi Kaninus komplettiert, was dem Sound von amiina eine perkussivere und rhythmischere Textur hinzufügte. Nach einem weiteren gefeierten Album im Jahr 2010, zwei EPs und zahlreichen Singles auf verschiedenen Labels veröffentlichte die Band im November 2016 ihr aktuelles Album "Fantômas". Gegenwärtig besteht die Band aus fünf Mitgliedern - Hildur Ársælsdóttir, María Huld Markan Sigfúsdóttir, Sólrún Sumarliðadóttir, Magnús Trygvason Eliassen und Guðmundur Vignir Karlsson (alias Kippi Kaninus). Neben ihrer Arbeit mit amiina sind die Bandmitglieder in Island und weltweit in Kollaborationen, Aufnahmen und Konzerte mit Künstlern verschiedenster musikalischer Genres wie Sigur Rós, Yann Tiersen, Spiritualized, Efterklang, Damien Rice und Ben Frost sowie in Projekten in der bildenden Kunst, im Theater und Tanz involviert.

Fantômas ist eine auf den gleichnamigen Kriminalromanen basierende Stummfilmserie des französischen Regisseurs Louis Feuillade. Die fünf Episoden, veröffentlicht in den Jahren 1913/14, drehen sich um Fantômas, einen sadistischen und skrupellosen Serienmörder, ein Meister des Terrors und Genie des Bösen, der 1911 in den Büchern der Schriftsteller Marcel Allain und Pierre Souvestre erstmals auftrat. Bereits kurz nach der Veröffentlichung erfreute sich "Fantômas" in Frankreich großer Beliebtheit und machte René Navarre, der den Bösewicht in der ersten Filmserie spielte, gewissermaßen über Nacht zu einer Berühmtheit. In einer hymnischen Rezension in der französischen Zeitschrift Chronique cinématographique schrieb der Kritiker Maurice Raynal im Jahr 1914 , dass "dieser komplexe, kompakte und konzentrierte Film nichts geringeres als ein Geniestreich sei." Die Figur des Fantômas ist ein frühes Beispiel des Zusammenspiels von avantgardistischem Intellektualismus sowie der aufkommenden Massenkultur - sie tauchte in zahlreichen Filmen, Fernseh- und Cartoon-Bearbeitungen auf, wurde zugleich aber auch von der französischen Avantgarde der 1920er hoch angesehen. Die Filme waren Quelle und Inspiration für viele surrealistische Künstler wie beispielsweise René Magritte und Guillaume Apollinaire und trafen mit ihrer sinistren Hauptfigur, die sich in ständig wechselnden Masken unters Volk mischt und stets der Polizei entkommt, den Nerv der Zeit.

UM:LAUT ist eine Plattform für Künstler und Labels, die sich verschiedener musikalischer Traditionen bedienen und doch einzigartig und frei von Genregrenzen ambitionierte Projekte realisieren. Der Fokus der von Ben Czernek und Hannes Frey kuratierten Reihe liegt dabei auf Zwischenräumen und Schnittmengen, auf der experimentellen Bandbreite von klassischer und elektronischer Instrumentierung, Komposition und Improvisation, Club und Konzertsaal. UM:LAUT fördert insbesondere den Dialog mit anderen Kunstformen - Musik als Impulsgeber für Film, Video, Fotografie, Installation, Tanz und Performance. Ein Experimentierfeld für Kooperationen von Künstlern unterschiedlicher Disziplinen. Weitere Informationen unter www.umlautlive.de.

Eine Veranstaltung von UM:LAUT im Radialsystem.
Mit freundlicher Unterstützung der Isländischen Botschaft in Berlin.


Juve contre Fantômas | © Filmstill

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